Institutsratsbericht vom 4.Juli 2012

Am 4.Juli fand die letzte Sitzung des Institutsrats Sozialwissenschaften in diesem Sommersemester statt. Neben einigen formellen Punkten gab es Informationen zur stattgefundenen Lehrkonferenz und der Universitätsbibliothek. Es wurde aber ebenso unter den Tagesordnungspunkten zu Konferenzteilnahmen von Mitarbeiter*innen und der Beschlussfassung zum Vorlesungsverzeichnis im Wintersemester 2012/23 über insbesondere Studierenden-relevante Angelegenheiten abgestimmt.

Frau Wohlenberg von der Universitätsbibliothek, die die Fachreferentin für die Sozialwissenschaften ist, informierte eingehend darüber, dass mit “Primus” ein neues und deutlich umfangreicheres Online-Suchportal installiert wurde und dass die Universitätsbibliothek zum Semesterende auch an Wochenenden bis 24 Uhr nutzbar sein wird. Ferner wurde darauf hingewiesen, dass es die entsprechenden Mittel gäbe, um auf Wünsche bzgl. Literaturanschaffung eingehen zu können. Wer Vorschläge hat, darf sich daher gern auch an die Sowi-Fachschaft wenden: fs-sowi@refrat.hu-berlin.de

Bei der Lehrkonferenz, die vor zwei Wochen stattfand, wurde festgestellt, dass im Zuge der Reakkreditierung u.a. die mangelnde Qualitätssicherung der Lehre angemahnt wurde. De facto geht es hier z.B. um die Evaluationen der Lehrveranstaltungen, deren Ergebnisse aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht oder nur bedingt offen gelegt werden dürfen. Desweiteren wurde dem Institut die Ausweitung des Angebots an qualitativer Sozialforschung zur Auflage für eine erneute Reakkreditierung gemacht. Auf den Umstand der extrem-mangelhaften bis fehlenden Ausbildung in diesem ESF-Bereich haben wir in verschiedenen Gremien immer wieder hingewiesen, prallten allerdings allzu häufig an der Lehrbereichsleitung ab.

Ein aus unserer Sicht wichtiger Punkt der Sitzung war die Beschlussfassung zur Unterstützung von Konferenz-Teilnahmen durch das Institut für Sozialwissenschaften(ISW). Hierbei setzten wir uns dafür ein, dass das ISW nicht hinter die Messlatte der Philosophischen Fakultät III zurückfällt. Die konkrete Frage bestand darin, ob man die finanzielle Unterstützung solcher Teilnahmen durch ein extra geschaffenes Förderprogramm nur für wissenschaftliche Mitarbeiter*innen(Mittelbau) oder für alle Mitglieder des Instituts ermöglicht. Dabei setzten wir uns dafür ein, dass diese Mittel allen zugänglich gemacht werden sollten. Besonders die drei Statusgruppen der Studierenden, des akademischen Mittelbaus und der Mitarbeiter*innen für Service, Technik und Verwaltung (vormals “Sonstige Mitarbeiter*innen) sind aus ihrer strukturellen Benachteilung an den Hochschulen heraus gezwungen, auf derartige Fördermöglichkeiten zu zu greifen, um nicht nur ihre Vita aufwerten, sondern auch an den Debatten teilhaben zu können.
Letztlich sprach sich die Mehrheit des Institutsrates dafür aus, diese Option nur dem Mittelbau zugänglich zu machen und verwies darauf, dass die Studierenden und Mitarbeiter*innen für Service, Technik und Verwaltung grundlegend auch ‘normale’ Anträge an den Institutsrat stellen könnten. Wie noch in der selben Sitzung allerdings an einem konkreten Fall deutlich wurde, werden gerade jenen, die bereits in ihrer Studienphase in die Forschung einsteigen wollen und dafür die Förderung von Konferenzteilnahmen beantragen, Steine in den Weg gelegt und Anträge nur unter Vorbehalt weiterer Auflagen bewilligt.
Das ISW setzt hier ein deutliches Zeichen zum Verhältnis der Statusgruppen und wie mit ihnen umgegangen wird. Die Studierenden werden zu Schüler*innen herabgestuft, deren eigenständige – im praktischen, wie meist auch strukturellen Sinne – Leistungen weder gewürdigt, noch gefördert werden. Dies ist insbesondere für eine Universität beschämend, die gerade erst die Forschungsexzellenz ausgesprochen bekommen hat, deren Nachwuchs aber offenbar erst nach dem Diplom, Magister oder Master anfängt. Darüber hinaus erklären ausgebildete Hochschullehrer*innen damit geradezu, dass sie ihrer eigenen Lehre nicht vertrauen, als das daraus nicht nur Bulimie-Studierende, sondern eigenverantwortliche, kritische und engagierte Jungwissenschaftler*innen hervorgehen könnten.

Ein weiteres wichtiges Thema der Sitzung war die Diskussion zum Vorlesungsverzeichnis des kommenden Wintersemesters 2012/13. Auch hier wurden soziale Problemfelder des Uni-Betriebs deutlich. So stand etwa zur Diskussion, wie mit Lehrenden der Berlin Graduate School of Social Sciences(BGSS) hinsichtlich ihrer Bezahlung zu verfahren sei, da diese aus ihren BGSS-Stipendien bereits Geld erhalten, allerdings durch die Lehre einen vertraglich nicht geregelten Mehrwaufwand haben, der hier unentgeltlich geleistet wird. Daraus erwächst nicht nur ein Ungleichgewicht der zeitlichen Forschungsmöglichkeiten an der BGSS, sondern auch hinsichtlich der didaktischen Erfahrungen, die die Dozent*innen später im akademischen Betrieb benötigen. Eine ähnliche Situation in der Frage der Bezahlung von Lehraufträgen entwickelt sich bei Externen. Nur eine bestimmte Zahl an bezahlten Dozent*innen ist finanziell durch das ISW tragbar, während andere mittelbar zum Verzicht auf Bezahlung gezwungen sind. Mit diesem Problem durfte sich ebenso bereits das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin rumplagen, das zeitweise in Folge des neuen Berliner Hochschul-Gesetzes erhebliche Lücken im Lehrangebot ausgleichen musste. Die Problemlage erwächst hier allerdings nicht aus dem rechtlich-vorgeschriebenen Verzicht auf unbezahlte Lehraufträge, sondern dem Mangel an finanzieller Ausstattung der Hochschulen, der es bedingt, dass hier auf derart prekäre Beschäftigungsverhältnisse zurückgegriffen werden muss, um die Lehranforderungen erfüllen zu können.
Damit zusammen hängen auch die begrenzten Raumkapazitäten, die den Institutsrat wiederum dazu veranlassten einen Beschluss hinsichtlich der Begrenzung von Kursteilnehmer*innen zu verabschieden. Hier ist zu prüfen, inwiefern dies der Freiheit der Berufswahl und daraus folgend der Kurswahl zuwider läuft oder, sofern diese Einschränkung vertretbar ist, welche zuverlässigen Methoden zur Auswahl der dann glücklichen Teilnehmer*innen angewandt werden. Weiterhin bleibt dabei die Frage offen, wie mit der faktischen Fluktuation der Teilnahme, gerade in den ersten Wochen eines Semesters, umgegangen werden soll und welche Konsequenzen dies für Nachrücker*innen auf den Kurslisten hat.

Zum Abschluss sei mit der Zahl von etwa 160 Erstsemester-Studierenden für das kommende Wintersemester schonmal viel Vorfreude auf neue Gesichter bereitet und an alle Interessierte die Einladung zum Institutsrat im Oktober ausgesprochen, bei dem es unter anderem um den von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie angeregten Boykott des CHE-Rankings und Datenschutzprobleme am Institut gehen soll.

Außerdem freuen wir uns über jede*n, der*die an den Fachschaftssitzungen teilnehmen möchte, mal in die Hochschulpolitik reinschnuppern oder direkt einsteigen will! Wir treffen uns immer montags um 18 Uhr in der Dorotheenstraße 26, Raum 300.

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