Wie der Stern zur Fachschaft kam…

Ein paar Zeitgeist-Impressionen zum Geleit…

Vor nunmehr acht Jahren wartete folgende Überraschung auf die frisch aus den Sommersemesterferien kommenden SoWi-Studierenden: Im großen Stil wurde von der Institutsleitung die Einführung des BA/MA abgefeiert. Hatten die Verantwortlichen mit Begeisterung und dem Beifall ihrer Studies gerechnet, mussten Sie sehr schnell feststellen, dass sie eher auf kritische Skepsis und Ablehnung trafen.

Aber was hatte denn die zu der Zeit tätige Fachschaft als studentische Interessensvertretung am Institut getrieben bzw. unterlassen???

Eine einzige Info-Veranstaltung mitten in den Semesterferien!

Einen klaren Mangel in Quantität und Qualität der Vertretung ihrer Interessen attestierend, fackelten einige Entschlossene nicht lange, arbeiteten sich ins Thema ein, entwarfen zügig eigene Vorschläge für eine Studienreform und organisierten eine breit angelegte kritische Kampagne zum Thema BA/MA. Getroffen wurde sich im Fachschaftsraum, obwohl von vorneherein klar war, das zwischen den Aktivist_Innen und der Fachschaft wenige Gemeinsamkeiten bestanden. Die aktiven SoWis erreichten schließlich eine weitgehende Nachbesserung des SoWi-Ba/Ma sowie einen Aufschub um 12 Monate. Erkämpft wurde dieser Teilerfolg durch inhaltliche Basisarbeit, unendlich zähe bürokratischen Kämpfe und viele kreative Aktionen.

Zurück zum Stern…

Im Januar des folgenden Jahres wurde eine neue Fachschaft gewählt, die dann auch fast vollständig  aus den Aktiven der BA/MA-Kampagne bestand. Sogleich wurde sich an die Arbeit gemacht… Uni-Gremien wurden von SoWis nur so überschwemmt, ebenso der Refrat. Die Zeitung kleine anfrage (heute: sul serio) wurde gegründet und ziemlich zügig vom RCDS (Ring christlich-demoktratischer Studenten) wegen allgemeinpolitischer Äußerungen verklagt. Auch das SOWISO-Café öffnete in dieser Zeit seine Pforten.

Und eben auch der Launch der Sowi-Internetseite fällt in dese Zeit. Der Auftrag war weiterhin alle Interessierten mit aktuellen Informationen zur Bildungspolitik zu versorgen.

Übersichtlich, informativ und eindeutig sollte sie sein, schwarz-weiss war sie gehalten – im übrigen noch per Hand ganz schlicht zusammengebastelt, nix PHP und Content-Management-System in der Internetsteinzeit.

Der Stern war der graphische Blickfang und das Symbol des politischen Nenners der Fachschaft: für bunte Widerständigkeit und das Anstinken gegen farblose (Uni-)Systeme. Denn die Fachschaft war ein lustiger, bunter Haufen aus Sozialisten, Anarchisten, Hippies, Emanzen, Christen, Punks, Strebern, Atheisten, Demokraten, Bauchlinken…

Soviel zur Mythenbildung…

Eigentlich weiß ich nämlich gar nicht mehr so genau, wie die Entscheidung für den Stern genau zustande kam. (Vielleicht erinnert sich jemand, der das liest, noch genauer?)

Wahrscheinlich ist es so gewesen: Ich hab in asketischer Nachtarbeit die Internetseite gebaut… brauchte einen Blickfang und das Logo für die Fachschaft… finde rote Sterne schick… kann mit dem politischen Impetus leben und habe die Wahrscheinlichkeit als ziemlich hoch eingestuft, das ich damit durch komme… und tatsächlich: niemand hat sich beschwert.

Wer wissen will, wie die Internetseite damals aussah, was so anlag und was über die Jahre alles bewegt wurde, sollte sich die SoWi-Seiten (von 2002-07) ansehen: einfach unter web.archive.org nach sowis.de.vu suchen. Dauert allerdings ein bisschen, bis es geladen ist.

 

Gunnar Zerowsky

(Artikel aus 2009)

 

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